Macht?Schule.Bildung!

Wir für eine andere Bildungspolitik

Sächsische Bildungspolitik: Das Schiff ist ein riesen Pott, deshalb sinkt es nur langsam. Aber es sinkt.

Dresden, 9. Mai 2012, Klaas Andreas Tietze

Gestern war wieder so ein Tag, den man sich eigentlich hätte sparen können. Nicht weil das Wetter doof, die Nacht zu kurz oder der Tag zu schnöde war. Nein, man hätte sich an diesem Tag die Aussagen und die dazugehörige Pressemitteilung aus dem Kultusministerium zuzur Kürzung der Fördermittelzuschüsse für Schulbauten sparen können. Trotz eines sachsenweiten Sanierungsstaus von 2 Milliarden Euro spart der Freistaat munter die Zuschüsse ein und verkauft das sogar noch als Vereinfachung bei der Fördermittelvergabe.

Dresden wächst – die Schulen platzen – und alle schauen zu!  Die Proteste einerseits in Dresden für einen besseren Schulnetzplan und andererseits in ganz Sachsen für bessere Bedingungen für Lehrerinnen und Lehrern sind schon lange nicht mehr nur Proteste für eine Verbesserung der Gesamtsituation. Ohne diese Proteste würden die geplanten Einsparungen noch höher ausfallen. Ohne die Proteste, das Engagement von Schülerinnen, Schülern und Jugendlichen hätte man einen Schulnetzplanentwurf verabschiedet der das Papier auf dem er gedruckt war, nicht wert gewesen wäre. Hier setzen Verantwortliche aus den Ministerien und Verwaltungsbehörden unter dem Vorbehalt der Haushaltskonsolidierung nicht nur die Zukunft von Schülerinnen und Schülern auf’s Spiel, sondern die des gesamten Freistaates. Was muss noch passieren, bis Menschen begreifen, dass jeder Abbau von Bildung mit dem Abbau von Lebensqualität und Erfolg einhergeht…

Gestern war ich beim Runden Tisch Bildung der SPD-Landtagsfraktion im Sächsischem Landtag. Der Einladung folgten unter anderem auch eine Vielzahl von Schulleiterinnen und Schulleitern aus Grund- und Mittelschulen sowie Gymnasien aus ganz Sachsen. Seit ich in Sachsen bin, schockt mich bildungspolitisch nicht mehr all zu viel. Seit 2007 spricht man über unnötige Schulschließungen, Sanierungsstau, Lehrkräftemangel. Die eigentlichen Probleme liegen noch tiefer in der Vergangenheit. Man hätte schon lange gegensteuern können.

Im Verlauf des Runden Tisches gab es Berichte, die mich nicht nur mit dem Kopf schütteln ließen, sondern vielmehr eins deutlich machten: Normalerweise versucht man in einer Krisensituation der Krise entgegenzusteuern. Alternativen zu finden oder immerhin die Krise abzudämpfen. In Sachsen jedoch, scheint man sie solange verschärfen zu wollen, bis es am Protest der Betroffenen scheitert.

Besonders nachdrücklich war an diesem Nachmittag der Bericht einer Schulleiterin einer Dresdner Grundschule. Ihr fehlen derzeit 5 Vollzeitlehrkräfte. Sie hat noch nicht mal genügend Lehrkräfte um Klassenleiter zu bestimmen. Eine Grundschulklasse ohne Klassenlehrer, ohne eine direkte Ansprechpartnerin ist nicht hinnehmbar. Ebenso nicht – wie die Schulleiterin weiter berichtete – dass es mittlerweile Normalität ist, dass eine Lehrkraft auf zwei Grundschulklassen aufpassen muss die sogar mit 28 – 29 Schülern so voll ist, dass sie eigentlich nicht in einem Klassenraum des Schultyps Dresden passen, da diese Räume nur für 26 Schülerinnen und Schüler ausgelegt sind.

Eine weitere Schulleiterin aus dem Kreis Bautzen war ein wenig verdutzt, als sie für den Mittelschulbereich im gesamten Regionalschulamt für das kommende Schuljahr nur 5 Neueinstellungen in der Präsentation erkannte. Allein an Ihrer Schule fehlen 9 Lehrerinnen und Lehrer. Sie fährt schon jetzt an der Kapazitätsgrenze. Im kommenden Schuljahr fallen 4 weitere Lehrkräfte aus, weil sie in den wohlverdienten Ruhestand wechseln. Selbst Mangelverwaltung ist da noch deutlich untertrieben.

Die sächsische Bildungspolitik ist ein Schiff, welche mit einem bekannten Leck auf die Offene See ausläuft und in dem die Crew nicht die Gäste versorgt, sondern sorgsam daran arbeitet das Leck zu vergrößern. Das Schiff ist ein riesen Pott, deshalb sinkt es nur langsam. Aber es sinkt.

Wer jetzt noch einen Grund braucht, um morgen 15h00 auf die Straße zu gehen, der möge sich die letzten Artikel auf den Seiten des LandesSchülerRates Sachsen, des StadtSchülerRates Dresden und auf dieser Seite durchlesen. Alles Gründe genug um die Reißleine zu ziehen. Liebe Lehrerinnen und Lehrer, liebe Schulleiter, wir protestieren für unsere und Ihre Zukunft. Kommen Sie mit. Seien Sie solidarisch und wenn nicht, seien Sie so fair und lassen Sie Ihre Schülerinnen und Schüler bedingslos an den Protesten teilnehmen. Sie sind wichtig!

Posted in Allgemein by Andreas on Mai 9th, 2012 at 09:35.

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