Wir haben kein Problem. Zumindest nicht in Sachsen und schon gleich gar nicht in Dresden. So oder so ähnlich hört es sich an, wenn die Verantwortlichen zu aktuellen bildungspolitischen Debatten ein Statement abgeben mussten. Gezwungen, nicht gerührt und schon gleich gar nicht beeindruckt, so hieß das Motto der Öffentlichkeitsarbeit der letzten Monate.
Heute hat der Stadtschülerrat gemeinsam mit dem Kreiselternrat seine Stellungnahme zum zweiten Entwurf des Autos (der Schulnetzplanung) Gästen und Journalisten vorgestellt. Auf knapp 11 Seiten hat der Stadtschülerrat Defizite aufgezeigt, die trotz Verbesserungen zum ersten Entwurf, noch immer so eklatant sind, dass man Mangelverwaltung noch als euphemischen Glanzbegriff verwenden muss.
Das letzte Statement der Stellungnahme fasst für diejenigen unter Euch, die sich das Lesen mit einem kurzen Überfliegen verkürzen wollen, die Gesamtsituation geballt zusammen: Eine Gesamtablehnung des zweiten Entwurfs wäre aus zeitlichen Gründen nicht ratsam aber aus schulnetzplanerischen Gesichtspunkten richtig.
Gestern war wieder so ein Tag, den man sich eigentlich hätte sparen können. Nicht weil das Wetter doof, die Nacht zu kurz oder der Tag zu schnöde war. Nein, man hätte sich an diesem Tag die Aussagen und die dazugehörige Pressemitteilung aus dem Kultusministerium zuzur Kürzung der Fördermittelzuschüsse für Schulbauten sparen können. Trotz eines sachsenweiten Sanierungsstaus von 2 Milliarden Euro spart der Freistaat munter die Zuschüsse ein und verkauft das sogar noch als Vereinfachung bei der Fördermittelvergabe.
Dresden wächst – die Schulen platzen – und alle schauen zu! Die Proteste einerseits in Dresden für einen besseren Schulnetzplan und andererseits in ganz Sachsen für bessere Bedingungen für Lehrerinnen und Lehrern sind schon lange nicht mehr nur Proteste für eine Verbesserung der Gesamtsituation. Ohne diese Proteste würden die geplanten Einsparungen noch höher ausfallen. Ohne die Proteste, das Engagement von Schülerinnen, Schülern und Jugendlichen hätte man einen Schulnetzplanentwurf verabschiedet der das Papier auf dem er gedruckt war, nicht wert gewesen wäre. Hier setzen Verantwortliche aus den Ministerien und Verwaltungsbehörden unter dem Vorbehalt der Haushaltskonsolidierung nicht nur die Zukunft von Schülerinnen und Schülern auf’s Spiel, sondern die des gesamten Freistaates. Was muss noch passieren, bis Menschen begreifen, dass jeder Abbau von Bildung mit dem Abbau von Lebensqualität und Erfolg einhergeht…
Gestern war ich beim Runden Tisch Bildung der SPD-Landtagsfraktion im Sächsischem Landtag. Der Einladung folgten unter anderem auch eine Vielzahl von Schulleiterinnen und Schulleitern aus Grund- und Mittelschulen sowie Gymnasien aus ganz Sachsen. Seit ich in Sachsen bin, schockt mich bildungspolitisch nicht mehr all zu viel. Seit 2007 spricht man über unnötige Schulschließungen, Sanierungsstau, Lehrkräftemangel. Die eigentlichen Probleme liegen noch tiefer in der Vergangenheit. Man hätte schon lange gegensteuern können.
Im Verlauf des Runden Tisches gab es Berichte, die mich nicht nur mit dem Kopf schütteln ließen, sondern vielmehr eins deutlich machten: Normalerweise versucht man in einer Krisensituation der Krise entgegenzusteuern. Alternativen zu finden oder immerhin die Krise abzudämpfen. In Sachsen jedoch, scheint man sie solange verschärfen zu wollen, bis es am Protest der Betroffenen scheitert.
Besonders nachdrücklich war an diesem Nachmittag der Bericht einer Schulleiterin einer Dresdner Grundschule. Ihr fehlen derzeit 5 Vollzeitlehrkräfte. Sie hat noch nicht mal genügend Lehrkräfte um Klassenleiter zu bestimmen. Eine Grundschulklasse ohne Klassenlehrer, ohne eine direkte Ansprechpartnerin ist nicht hinnehmbar. Ebenso nicht – wie die Schulleiterin weiter berichtete – dass es mittlerweile Normalität ist, dass eine Lehrkraft auf zwei Grundschulklassen aufpassen muss die sogar mit 28 – 29 Schülern so voll ist, dass sie eigentlich nicht in einem Klassenraum des Schultyps Dresden passen, da diese Räume nur für 26 Schülerinnen und Schüler ausgelegt sind.
Eine weitere Schulleiterin aus dem Kreis Bautzen war ein wenig verdutzt, als sie für den Mittelschulbereich im gesamten Regionalschulamt für das kommende Schuljahr nur 5 Neueinstellungen in der Präsentation erkannte. Allein an Ihrer Schule fehlen 9 Lehrerinnen und Lehrer. Sie fährt schon jetzt an der Kapazitätsgrenze. Im kommenden Schuljahr fallen 4 weitere Lehrkräfte aus, weil sie in den wohlverdienten Ruhestand wechseln. Selbst Mangelverwaltung ist da noch deutlich untertrieben.
Die sächsische Bildungspolitik ist ein Schiff, welche mit einem bekannten Leck auf die Offene See ausläuft und in dem die Crew nicht die Gäste versorgt, sondern sorgsam daran arbeitet das Leck zu vergrößern. Das Schiff ist ein riesen Pott, deshalb sinkt es nur langsam. Aber es sinkt.
Wer jetzt noch einen Grund braucht, um morgen 15h00 auf die Straße zu gehen, der möge sich die letzten Artikel auf den Seiten des LandesSchülerRates Sachsen, des StadtSchülerRates Dresden und auf dieser Seite durchlesen. Alles Gründe genug um die Reißleine zu ziehen. Liebe Lehrerinnen und Lehrer, liebe Schulleiter, wir protestieren für unsere und Ihre Zukunft. Kommen Sie mit. Seien Sie solidarisch und wenn nicht, seien Sie so fair und lassen Sie Ihre Schülerinnen und Schüler bedingslos an den Protesten teilnehmen. Sie sind wichtig!
“Aufstieg durch Bildung” – Dieser Dreiwortspruch bringt es auf den Punkt. Du bist nichts, wenn Du nicht weißt, wie der Erdball sich dreht, der Schiedsrichter aussieht oder die Kaffeemaschine kocht. Du bist auch nichts, wenn Du nicht weißt, dass das Teilen durch Null eher ein Abenteuer zum Abgrund der Welt ist oder ein “Ich will einfach nur ein Sub des Tages” bei Subway immer die Frage des Mitarbeiters nach sich zieht “Ein Körner- oder Sesambrot?”. Und auch die pure Definition des Nichts, wird sich Dir nicht erschließen, wenn Du in Deiner Schullaufbahn zu wenige Unterrichtsstunden hattest.
Vor einigen Wochen erst fragte Patrick Schreiber, Landtagsabgeordneter im Sächsischen Landtag während seiner Rede in der Plenarsitzung einen seiner Kollegen aus der Oppositionsfraktion wie viele Ausfallstunden er denn in seiner Schullaufbahn hatte. Und ja, die Frage ist äußerst wichtig, denn die Art und Weise, wie man derzeit mit der Situation des Lehrkräftemangels umgeht, lässt einen Außenstehenden schon das Gefühl, dass die Beteiligten sich irgendwie wohlig an den Ast hangelnd heimisch fühlen und entspannt die Augen schließen.
Apropos Ast. Es gibt metaphorisch noch weitere Äste. Manche würden Ihn als Lehmann’schen Baumverschnitt bezeichnen, andere widerum ganz schlicht als Schulnetzplan. Ein weiterer Ast ist auch das gestern neu vorgestellte Bildungspaket. Da mir beide Begriffe zu sperrig und zu ausgelatscht sind und sie mich schon sowieso in meinen Träumen verfolgen, habe ich mich entschieden die beiden Dinge zusammenzufassen und einfach - Auto - zu nennen.
Auto deswegen, weil der Schulnetzplan und das Bildungspaket mit seinem kleinen Kind “Nachbesserung” nichts anderes als ein mit Vollgas und heruntergelassenen Fenstern direkt auf einen Baum zusteuerndes Auto ist, welches nicht nur an einem Ast sägt, sondern gleich den ganzen Baum mit samt der Wurzel rausreißt. Die Verantwortlichen, die den Schulnetzplan und das Bildungspaket samt Nachbesserung angeschnallt und einen schweren Stein auf’s Gaspedal gelegt haben, kümmert das wenig. denn Ihre Kinder lernen wohl sowieso schon ganz woanders und sie selbst wähnen sich in Sicherheit, weil sie seitenverkehrt in der Einbahnstraße parken und ein Eis genießen.
Nun wehe denen, die sich das nicht gefallen lassen und rückwärts die Einbahnstraße den Baum hochschleppend mit Forderungen ihnen entgegenkommen. Entweder wird Zeitung gelesen, auf stur gestellt oder gleich gar weiter so getan, als wäre der Protest das Zwitschern von kleinen Vögeln, die sogar noch so dreist sind und die Ruhe stören. Nur wehe der Situation, dass diese kleinen Vögel nicht mehr nur danebenstehend beim Eisschlecken zuschauen, sondern Mitbestimmung und konkrete Verbesserungen und persönliche Konsequenzen fordern. Dann dürfen wir gespannt sein, wie schnell das Auto noch fahren wird….
Dresden, 24.04.2012 – Gastbeitrag von T. Friebel, Lehrer für Deutsch und Gestaltung aus Dresden
Da lässt heute doch die neue Kultusministerin Brunhild Kurth für eine Pressekonferenz den Termin mit Vertretern der sächsischen Lehrerpersonalräte sausen. Immerhin wollte sie vor 500 Personalräten von 400 Sächsischen Schulen sprechen.
Stattdessen bietet sie den im UfA-Kristallpalast Versammelten an, eine Abordnung von 18 Vertretern nach dem Pressetermin zu empfangen. Somit setzte Sie das in Sachsens Politik mittlerweile übliche Informationsgebahren fort: Die Presse hat Vorrang! Es warteten ja nebenan nur 500 gewählte Lehrervertreter auf Informationen aus erster Hand.
Diese begaben sich auf den Weg vor das Dienstzimmer der Ministerin, da sie nicht recht einsehen wollten, dass der “Souverän” vorladen lässt. Doch welche Informationen sind dem Ministerium und der Landesregierung so wichtig, dass sie schnellstmöglich verbreitet werden müssen? Will man sich öffentlich auf die Schultern klopfen, weil man es nach zähen Verhandlungen beispielsweise geschafft hat zusätzlich 160 echte Neueinstellungen einzuplanen?
Ein “klares” Bild von der derzeitigen Situation erhielten die versammelten Pressevertreter aufgrund der vielen aufgeworfenen aber nicht beantworteten Fragen nicht. Verkauft man der Bevölkerung einen Katastrophenplan (nach Eintritt der lang angekündigten Bildungskatastrophe) als großes Zugeständnis und Erfolg? Wer die Zahlen kennt und das Positionspapier des zurückgetretenen Bildungsministers zu Gesicht bekam, wird unschwer bemerken, dass weder ein großer Wurf gelungen ist, noch eine nachhaltige Planung dahinter steht.
Die blanke Not regiert hinter nicht mehr verschlossenen Türen, massenhafte Proteste von Schülern, Lehrern und Eltern in den vergangenen Wochen zeigen deutlich die Handlungsunfähigkeit oder gar -unwilligkeit der Entscheider.
Ohne ins Detail gehen zu wollen, die Bildungsmisere Sachsens – trotz Pisaspitzenposition – bahnt sich schon seit Jahren an. Finanziell immer auf Sparkurs zehrte Sachsens Bildung von den Reserven. Doch diese Zeiten sind endgültig vorbei. Sachsens Bildungslandschaft hat sich nachhaltig verändert und das auf maximalen Verschleiß ausgelegte System wankt gewaltig. Das zukünftige Geberland spart seit Jahren an der eigenen Zukunft.
Die Personalräte standen übrigens noch lange im Regen vor dem Kultusministerium – nicht nur im sprichwörtlichen Sinne!
Wenn man alle Teilnehmden der Dresdner Demonstrationen seit Oktober zusammenrechnen würde, käme man auf eine Zahl die im zweistelligen Tausenderbereich zu finden wäre. Ein solches Durchhaltevermögen haben Bewegungen selten. Allen voran nicht, wenn es sich um Schülerinnen und Schüler handelte. Dresden hat gezeigt, dass ruhige, ideenlose und vorallem anteilnahmslose Schüler Geschichte sind. Seit Oktober bringen sich Schülerinnen und Schüler und Jugendliche aktiv in die Bildugnspolitik des Freistaates ein und drängen auf mehr Mitbestimmung.
Die Protestbewegung in Dresden gründete sich aus Protest gegen den Schulnetzplan. Dieser würde zwar in seiner ersten Fassung zurückgezogen und man hat mit der zweiten Fassung Verbesserungswillen bewiesen aber mehr als ein Beschwichtigen ist auch diese Fassung nicht. Die Forderungen des Aktionsbündnisses fußten allen voran auf dem Erhalt der Berufsschulzentren in Dresden- Das haben wir geschafft! Kein BSZ wird (vorerst) ins Dresdner Umland verlagert. Ohne die stetigen Proteste hätten wir das nicht erreicht. Das muss allen Beteiligen klar sein!
Doch der Schulnetzplan besteht nicht nur aus Berufsschulzentren: Es gibt eine Grundschule in Gompitz die wachsen müsste, es aber nicht kann, weil die Stadtverwaltung das nachbarte Grundstück nicht kaufen will. “Es rechnet sich nicht!”, hörte man des öfteren aus dem Schulverwaltungsamt Dresden. Es gibt noch immer ein Gymnasium, welches vierzügig konzeptioniert und gebaut wurde und nunmehr auf 5-Züge aufgestockt werden soll. Es gibt eine Mittelschule, die über ein gewachsenes Kollegium verfügt und wegen Konzeptionslosigkeit aufgelöst und den Schülerinnen und Schülern längere Schulwege zugemutet werden sollen. Es gibt noch immer ein Berufsschulzentrum, welches aus welchen unerklärlichen Grünen auch immer aufgelöst und verteilt werden soll. Es gibt noch immer so viele Probleme, das Ortsbeiräte auch den zweiten Entwurf der Schulnetzplanung abgelehnt haben. Es gibt noch genug Probleme um sich zu empören!
Der Runde Tisch zum Schulnetzplan wäre ein effektives Mittel um allen Beteiligten die Teilhabe an der Entwicklung des Dresdner Bildungsstandortes zu ermöglichen. Man diskutiert, man informiert aber man nutzt das Gremium noch nicht annähernd so effektiv, wie man es nutzen könnte. Man hat als Außenstehender das Gefühl, das Transparenz, Beteiligung und das ganze Gremium für das Schulverwaltungsamt und den Schulbürgermeister ein Klotz am Bein ist, welches man zwar laufen lässt aber ansonsten belächelt. ( Das Schulverwaltungsamt wurde vom Runden Tisch gebeten, den Alternativvorschlag zur Verlagerung des BSZ Dienstleistung und Gestaltung zu prüfen. Passiert ist bis heute nichts…)
Bildungspolitik in Sachsen bedeutet momentan Arbeit. Es brennt. Lichterloh. Zwei Milliarden Euro müsste man in Schulen investieren, damit sie auf einen Standart saniert werden (allein Dresden müsste 700 Millionen Euro investieren). Durch die steigenden Schülerzahlen (bis 2020: + 15 000 Schüler) bedarf es auch einer steigenden Anzahl an Räumen. Das belastet den Dresdner Haushalt mit weiteren 267 Millionen Euro. Hier rächt sich, was Politiker der Oppositionsparteien und Aktive aus Gewerkschaften und Hochschulen schon vor Jahren mahnend anprangerten: Die Vielzahl an Schulschließungen waren falsch und das Sparen am Bildungssystem hilft keinem. Doof nur, dass an unserer Zukunft gespart wird und man bis heute nicht wirklich bemüht ist, etwas daran zu ändern.
Die nächste Baustelle ist wohl noch prekärer als die bisherigen Punkte. Bis 2030 werden 82 Prozent der derzeit undter Vertrag stehenden Lehrkräfte aus dem Schuldienst ausfallen. Da der Freistaat aber zu wenige Lehramtsstudierende ausbildet und das Lehrerdasein in Sachsen im Vergleich zu unseren Nachbarbundesländern eher wenig attraktiv ist, gibt es bisher noch kein schlüssiges Konzept, wie man dem Problem entgegentreten kann. Fassungslosigkeit – wenn man bedenkt, dass schon jetzt 150 Vollzeitstellen an sächsischen Schulen fehlen und man über Wochen und Monate die Zahlen kannte aber immerwährend davon sprach, es sei ja alles gar nicht so schlimm. Es kommt noch schlimmer!
Wir sind in der Pflicht unsere unsere Zukunft und die der nachfolgenden Generation zu verteidigen. Bildung ist neben dem Essen und Schlafen das Wichtigste, was uns zu dem macht, was wir sind. Wir sind darauf angewiesen. Wenn man uns diese verwehrt, müssen wir uns empören.
Nach dem letzten Aktionstag an dem sachsenweit über 20 000 Schülerinnen und Schüler teilnahmen finden am 10. Mai die nächsten Proteste statt. Wir wollen damit zeigen, dass wir nicht nachgeben und dass jedwede Reform und Konzeption jetzt und nicht erst in ein par Moneten auf den Weg gebracht werden müssen. Neben einen Demonstrationszug der Studierenden wird es einen Demonstrationszug von Schülern und Lehrkräften geben. Wichtig ist, dass Ihr wieder mit vor Ort seit. Wichtig ist, dass Ihr Eure Freunde und Bekannte mitbringt und in Gesprächen erklärt, was auf dem Spiel steht. Wichtig ist, dass allen klar wird, dass Straßenbau, Sanierung von Rathausflügeln und das Retten von Banken ohne Bildung nicht möglich wäre. Man setzt die Zukunft auf’s Spiel und dagegen werden wir am 10. Mai 2012 in Dresden weiter Druck machen!
Bildung ist kein Spiel mit Zahlen, sondern ein Ringen um Bildungslaufbahnen
Protest zeigt Wirkung. Seit Oktober protestier(t)en Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Lehrkräften und Elternvertretern für einen besseren Schulnetzplan in der Stadt Dresden. Seit letzter Woche wissen wir: die Proteste haben gewirkt. Der neue Schulnetzplan ist noch nicht an allen Ecken und Enden passgenau aber der zweite Entwurf hat gezeigt, dass wir durchaus mit Kreativität und Engagement Alternativloses ändern konnten. . Seit Monaten gibt es ein Bestreben: Für einen besseren Bildungsstandort Dresden und Sachsen.
27.03.2012 – Update: Brundhild Kurth (Kultusministerin) und Prof. Dr. Unland (Finanzminister) sind morgen bei der Abschlusskundgebung am Carolaplatz dabei und wollen sich zu Wort melden! Wird dürfen also sehr gespannt sein!
Es ist soweit. Am kommenden Mittwoch den 28.03. protestieren sachsenweit wohl mehr als 10 000 Schülerinnen und Schüler gegen die derzeitige Situation in der Bildungspolitik. Lehrkräfte sind unermüdliche Helfer. Ohne Sie geht es nicht. Und wenn man sieht, dass wir in den kommenden Jahren zu wenige Lehrer haben werden, um den Unterricht abdecken zu können, stellt sich die Frage warum der zuständige Minister und der entsprechende Finanzminister nicht genügend Lehrkräfte einstellen und für entsprechend hohe Ausbildungskapazitäten sorgen. Die Bedingungen für sächsische Lehrkräfte sind bei weitem nicht die Besten. Es geht um Eure Bildungslaufbahnen, Euren Abschluss der dadurch gefährdet wird, dass Unterrichtsstunden in großer Zahl ausfallen und Euch somit Unterrichtsstoff fehlt.Bilden wir die Rettung! - Aufklärung ist Bildung und wir wollen mit dem LandesSchülerRat (www.lsr-sachsen.de) und zusammen mit den Stadt- und Kreisschülerraten Leipzig, Dresden, Chemnitz und Bautzen am Mittwoch den 28. März 2012 mit einem sachsenweiten Aktionstag auf die Probleme hinweisen. Gemeinsam mit Lehrkräften, Lehramtsstudierenden, Eltern und Euch möchten wir Vormittags an Euren Schulen Vollversammlungen und Aktionen fahren und am Nachmittag mit einem Demonstrationszug vor das sächsische Kultusministerium ziehen. Der Stadtschülerrat Dresden (www.ssr-dresden.de) koordiniert die Vormittagsaktionen an Eurer Schule. Nachmittags ziehen dann Stadt- und Landesschülerrat, das Aktionsbündnis, die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft und der Sächsische Lehrerverband an einem Strang.Retten wir die/unsere Bildung!- In den kommenden Wochen und Monaten fahren wir in Dresden zweigleisig. Zum einen laufen die Diskussionen und Gespräche zum Schulnetzplan weiter. Kritischen Punkten, wie der Auflösung des BSZ für Dienstleistung und Gestaltung oder der 88. Mittelschule müssen wir Alternativen anbieten und zum anderen müssen wir auf bessere Bildungsmöglichkeiten, bessere Bedingungen für Lehrkräfte und für unseren Schulalltag einstehen. Das wird viel Kraft kosten aber wir können verändern und gestalten. Wenn nicht wir, wer sonst?
Wir sehen uns am 28.03.2012 vormittags bei Euren Vollversammlungen und um 15h30 am Zwingerteich am Sammelpunkt in der Nähe des Sächsischen Landtages!
Heute hat die Stadtverwaltung der Landeshauptstadt Dresden den zweiten Entwurf der Schulnetzplanung veröffentlicht. In einer Pressekonferenz wurden die Eckpunkte vorgestellt. Das ganze Papier gibt es hier:Schulnetzplan 2.0 Teil 1
Das Aktionsbündnis wird sich in den kommenden Wochen mit den einzelnen Planteilen beschäftigen und den Schulnetzplan inhaltlich und öffentlich diskutieren und aufarbeiten. “Die Stadtverwaltung hat bei den ganzen Diskussionen eins wieder nicht begriffen: Nur durch Transparenz schafft man wirkliche Anerkennung der Arbeitsergebnisse. Man hätte mit der Erarbeitung des zweiten Entwurfs die Beteiligung aller fördern können. Stattdessen ist der jetzt vorliegende Entwurf wieder in stillen Kämmerchen ausgearbeitet worden.”, so Andreas,
Dennoch die Erarbeitung des zweiten Entwurfs war bitter notwendig. Neben der Anpassung der statistischen Grundlagen, haben sich die Verantwortlichen entschieden den Klassenteiler an allgemeinbildenden Schulen bei 25 Schülern pro Zug zu belassen. Im alten Entwurf plante man mit einer Erhöhung von 28 Schülerinnen und Schülern pro Zug.
Ein weiterer Erfolg ist die Abkehr von übereilten Verlagerungsplänen von Berufsschulen ins Dresdner Umland. Damit ist einem Hauptkritikpunkt des Aktionsbündnisses entsprochen worden. Dennoch ist die Konzentration laut Schulnetzplanentwurf von Berufsschulstandorten im Dresdner Umland noch nicht entgültig vom Tisch.
Mit der grundsätzlichen Überarbeitung des Schulnetzplanentwurfs, mit der Angleichung der Klassenteilerzahl und der Abkehr von den Verlagerungsplänen beschreitet die Stadtverwaltung einen richtigen Weg, den sie wohl so ohne die Proteste und das Engagement von Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern nie eingeschritten hätte.
“Mir ist halt nichts Besseres eingefallen.”
Doch gibt es immernoch deutliche Kritikpunkte. Allen voran soll an der Auflösung des BSZ für Dienstleistung und Gestaltung festgehalten werden. Dieser Schulstandort soll aus “bildungsökonomischen” Gründen auf 4 verschiedene Standorte aufgeteilt werden. Den Kosten- und Organisationsaufwand könnte man sich deutlich sparen, da weder die Mindestschüleranzahl unterschritten wird, noch irgendein Sachzwang zu dieser Aktion drängt.
Ein weiteres Problem ist die Finanzierung der Neubauten. Laut Bürgermeister Lehmann soll die Aufarbeitung des 700 Millionen Euro-Sanierungsstaus bis 2017 dem notwendigen Kapazitätsaufbau weichen. Das halten wir für falsch und fordern seit je her mehr Finanzen damit der Sanierungsstau maßgeblich parallel zur notwendigen Kapazitätserweiterung abgebaut werden muss. Wenn Schulen gesperrt, teilweise nicht nutzbar und ungenügend saniert sind, kann man diese Vorhaben nicht auf die lange Bank schieben.
NachtTanzDemo in Dresden – Tanzend vom Altmarkt über dem Bärenzwinger hin zu einem besseren Schulnetzplan.
Die letzten Tagen des Februars sind angebrochen und der März kündigt sich schon seit einigen Wochen an. Am 27. Februar wird der überarbeitete Entwurf des Schulnetzplans wieder im Umlauf gebracht und im März und April in den Ortsbeiräten und Gremien von Neuen diskutiert.
Wir wissen (noch) nicht, was uns genau in der überarbeiteten Fassung erwartet aber wir rechnen fest damit, dass wir noch lange nicht am (positiven) Ende der Schulnetzplandebatte sind. Deswegen ist es umso wichtiger, dass wir weiterhin präsent bleiben und zeigen, dass Bildung kein Verschiebebahnhof oder kein Bocciaspiel ist, indem man uns so lange schieben kann, bis zwei Kugeln oder in unserem Fall Bildungslaufbahnen zusammenknallen.
Und da Demonstrationen im klassischen Sinne wirkungsvoll aber meist nur mit Laufen und dem Tragen von Transparenten einhergehen, laden wir Euch und alle Interessierten ein, diesmal zu tanzen. Tanzen wir bei schmucker Musik durch die Innenstadt und zeigen wir, dass der Protest nicht nur wirkungsvoll, sondern auch kreativ(er) sein kann und lassen wir den Abend im Bärenzwinger und die bisherigen Aktionen und Ergebnissen ausklingen. Seid dabei – Protestiert und habt Spaß dabei!
Bitte tragt Euch für die bessere Planung in die Gästeliste ein. Das hilft uns ungemein bei der Vorbereitung und bei der Betreuung vor Ort.
Zeitlicher Ablauf:
18h45 Sammeln auf dem Altmarkt
19h00 Beginn der NachtTanzDemo (Altmakt – Schlossstraße – Fürstenzug – Neumarkt – Schießgasse – Bärenzwinger) - Rede(n) und Zwischenkundgebung
ca. 20h30 Ankunft im Bärenzwinger
bis open end IndoorNachtTanzDemo u.a. mit DJ Benzen und McCanz, Dj Miracle (Berlin) und der Band “Die Herren Exit!” im Bärenzwinger
Der Eintritt ist frei, die Mukke ist schmucke und Ihr gehört am 2.3. in den Abendstunden einfach in den Bärenzwinger. Wir freuen uns auf Euch!
Was ist passiert?
Gestern kam ein Vorschlag auf den Tisch der Dresdner Bildungsdebatte, welcher für Aufsehen und Aufruhr sorgte. Die Kreiselternratsvorsitzende Annett Grundmann (CDU) forderte die Einstellung von geplanten Baumaßnahmen am Dresdner Kulturpalast und an Straßen-baumaßnahmen, damit die freistehenden Gelder in den Neubau und in die Sanierung von Schulgebäuden investiert werden können. „Die Stadt muss jetzt alles nehmen, was sie hat, und in die Bildung stecken.“, so Frau Grundmann in einem Interview.
Gegenwind gab es dann berechtigterweise prompt: „Bis auf das Stadtmuseum wurde seit Beginn der 1990er-Jahre keine einzige Kultureinrichtung für ein großes Ensemble saniert oder neu gebaut.“, so Annekathrin Klepsch, Stadträtin und Landtagsabgeordnete der LINKEn. Gerit Thomas, Stadträtin der B90/Grüne und Ünterstützerin des Aktionsbündnisses verstärkte die Kritik: „[…] Ich schätze ja die Sächsische Zeitung normalerweise. Aber auf den Vorjohannschen Zug des Ausspielens Kultur versus Schulen aufzuspringen ist ein bisschen schwach und wenig weitsichtig. [...]“.
„Das Ausspielen von Kultur gegen Bildung ist gelinde gesagt gefährlich. Der Grundtenor bleibt dennoch im Halse stecken: Wie viel ist uns Bildung in Dresden/Sachsen noch wert?“
Dresden steht vor einem Sanierungsstau von weit über 700 Millionen Euro. Manche sprechen von 800 Millionen, wiederum einige in der Gesamtheit aller benötigten Bedarfe von knapp einer Milliarde. Fakt ist, hier haben Verantwortliche die Realität aus den Augen verloren und wissen nicht, wie es weiter gehen soll.
Fakt ist auch, der Sanierungsstand an Dresdner Schulen ist nicht hinnehmbar. Ebenso wenig, wie die bisherige Schulnetzplanung und der auf uns zukommende massive Lehrkräftemangel. Hier hat man gespart. jahrelang, unverhohlen, weil Schüler- und Elternvertretungen vielfach außer Stande waren sich zu artikulieren und wenn sie es dann taten, sie warmherzig von den politischen Verantwortlichen abgebügelt wurden. Hier geht es nicht um Bildung gegen Kultur. Hier geht es um Eigeninteressen gegen die Zukunft. Stadt und Freistaat gegen (sich) Bildende und Kulturschaffende.
Es ist beschämend. Schülerinnen und Schüler demonstrieren und engagieren sich, sprechen mit Verantwortlichen und Bürgermeistern, vernetzen sich und stehen auf den Straßen. Für was? – Für ein Bildungsstandort der im Begriff ist zu implodieren, weil die Tragsäulen (Lehrkräfte und Schulgebäude) – wenn vorhanden – so schlecht behandelt und ausgestattet sind, dass man meinen könnte, Bildung wäre in diesem Bundesland ein lästiges Abfallprodukt.
Es ist beschämend. Alternativvorschläge müssen her. Frau Grundmann versuchte es. Des Bürgermeisters Ideen sind „in Arbeit“ und ansonsten wird es in Dresden recht still. Bis auf wenige Stadträte und Landtagsabgeordnete, fehlt die breite Unterstützung. Fehlt die Solidarität, fehlt der Druck. Bildung ist ein Grundbedürfnis. Kultur gehört ebenso dazu, wie der Zustand von Dresdner Sportsstätten, die nicht besser da stehen, als die schon bisher beschriebenen Gebäude. Wo bleibt der Finanzbürgermeister, der Experte im Haushalten sein sollte? Wo bleibt er mit seinen Vorschlägen, wo mit seinen Forderungen an den Freistaat Sachsen der sang- und klanglos einen Großteil von Finanzmittel in Rücklagen oder in die Absicherung einer gewissen Bank steckt?
Wo sind die Verantwortlichen, die nicht erst jetzt von dem Ausmaß der Problematiken erfahren haben und warum haben Sie den Entwicklungen nicht entgegengesteuert?
Sie sind nicht da. Zumindest nicht offensichtlich. Muss erst eine Vorsitzende des Kreiselternrates aufstehen und kontroverse Debatten anschieben, damit ein Aufschrei durch diese Stadt geht? – Nein, liebe Bürgerinnen und Bürger der Stadt Dresden: Es ist nicht nur unsere Zukunft an der die jetzigen Verantwortlichen sägen, sondern es ist auch Ihre. Sie und wir sind betroffen. Egal ob Schüler, Kulturschaffender oder Alltagshelden. Bildung ist eine generationsübergreifende, gesellschaftliche Aufgabe.
Wenn man hört und liest, dass man 16 Jährigen das Wahlrecht nicht zuerkennen will, weil man befürchtet, dass sie nicht reif und gebildet genug für eine Wahlentscheidung sind und im gleichen Atemzug diese Debatten um Bildungsstandorte klanmmheimlich laufen lässt und scheinbar ruhig abwartet, bis sich die Lage so zu spitzt, dass es irgendwann gewaltig knallt, dann handelt man unverantwortlich. Und genau an diesem Punkt sollte man endlich aufwachen, oder zumindest die Verantwortung abgeben.
In Zeiten der Unsicherheit(en) brauchen wir alle Sicherheit und das geht nur, wenn man miteinander und ehrlich Probleme löst. Davon, sind wir jedoch in dieser Stadt, in diesem Bundesland himmelweit entfernt.
Eins lernen Schülerinnen und Schüler, Jugendliche und alle Beteiligten umso deutlicher: Besser wir kümmern uns selbst. Gemeinsam. Solidarisch und realistisch. Finanzmittel feh-len. Dann fordern wir dort Finanzmittel ein, von wo aus sie bis heute einbehalten und gespart wurden: beim Freistaat Sachsen. Bildung vs. Kultur? – Diese Frage stellt sich nicht. Bildung und Schule sind nicht verhandelbar. Ohne Bildung, keine Kultur. Ohne Kultur, keine Bildung. Ohne Bildung, kein Erfolg. Ohne Erfolg, kein Fortschritt. Ohne Fortschritt, Stillstand. Mit Stillstand, keine (Weiter)Bildung. Deshalb: Bildet die Rettung und rettet die Bildung! – und zwar gemeinsam.